Metabolische Erziehung

Metabolische Erziehung


1   Gesunder Stoffwechsel ist lernbar

1.1  Stoffwechsel-Wissen

Der Adipositas-Forscher Achim Peters, Begründer der Selfish-Brain-Theorie verwendet in seinem Buch »Das egoistische Gehirn« den Begriff der »metabolischen Erziehung«, um die Entstehungsmechanismen für Übergewicht zu erklären. Er versteht unter diesem Begriff den zeitgemäß erweiterten erzieherischen Auftrag, Kinder auch mit dem nötigen »Stoffwechsel-Wissen« auszustatten, damit sie eine möglichst gesundheitsförderliche Grundhaltung zu ihrer Ernährung ausbilden können. Nur wenn sie diesbezüglich aufgeklärt seien, wären sie in der Lage, den vielfältigen (und oftmals eben gerade nicht gesundheitsförderlichen) medialen und gesellschaftlichen Einflüssen zu widerstehen, welche ein Leben lang versuchen, sie in ihrem Ernährungs- und Essverhalten zu beeinflussen.

Jeder Impuls in Sachen Ernährung (»Cue«) beeinflusst das menschliche Gehirn und steuert dadurch unbemerkt das Essverhalten.

Er geht dabei von der These aus, dass alle Menschen zwar eine genetische Grundausstattung für einen ausgeglichenen Stoffwechsel besitzen (so dass die Energieversorgung sowohl für das Gehirn als auch den Körper sichergestellt ist) – die Entwicklung des Stoffwechsels aber in hohem Maße von individuell erlebten Impulsen, »Cues« genannt, abhängt. Als Cues wirken, neben dem familiären Nahrungsangebot und den tatsächlich verzehrten Nahrungsmitteln, vor allem die zahlreichen Impulse aus der Werbung und in den Geschäften.

Die Vielfalt der natürlichen Nahrungsmittel ist groß. Kinder sollten möglichst früh möglichst viele davon kennenlernen.

Mit »Stoffwechsel-Wissen« ist hier ein möglichst großes Angebot aus der Vielfalt natürlicher Nahrungsmittel gemeint. Die Kinder sollen lernen, wie die einzelnen Nahrungsmittel aussehen, wie sie schmecken, und natürlich, dass sie generell schmackhaft sind. Mit einem derart geschulten »natürlichen Ernährungsgedächtnis« vergleichen sie dann später die industriell hergestellten, denaturierten Produkte, die sie im Laufe ihres Lebens unweigerlich ebenfalls probieren werden. Sie stellen dabei sehr wahrscheinlich fest, dass diese geschmacklich ganz erheblich vom Gewohnten abweichen, und bevorzugen dann eher die ihnen bekannten, natürlichen Lebensmittel.

WICHTIG❗️ Für die Schulung des natürlichen »Ernährungsgedächtnisses« ist – wie bei allen Lernvorgängen – wichtig, dass dies möglichst früh, also bereits im Kindesalter geschieht. Denn die manipulativen »Cues« aus Werbung und Gesellschaft treffen schon sehr früh auf das kindliche Gehirn.

1.2  Wenn nach den Cues nix kommt

Wie wichtig dieser Schulungsprozess der Ernährung ist, zeigt die Selfish-Brain-Theorie durch den Nachweis, dass die tatsächliche Nahrungsaufnahme abhängig ist vom Muster der Verarbeitung von Stresserlebnissen im Gehirn und der daraus resultierenden Stressantwort im Körper. Für die Reaktion auf die o. g. Cues bedeutet dies: folgt danach real keine Nahrungsaufnahme, führt dies im Gehirn zu Stress, und daher schaltet es um auf »Nahrungsaufnahme« – unabhängig davon, ob noch genügend Energie im Körper vorhanden ist oder nicht. Die Folge: wir essen, obwohl wir satt sind.

Das ist im Einzelfall noch kein Problem, aber wenn diese Fremdsteuerung durch Cues über längere Zeit anhält, hat dies unumkehrbare Veränderungen im Gehirn zur Folge. Das Gehirn erlernt diese Vorgänge nach dem beschriebenen Reiz-Reaktions-Schema und behält sie. Ist das Muster erst einmal verinnerlicht, ist es schwierig bis unmöglich, diese gelernte Gewohnheit wieder loszuwerden (zu »verlernen«), insbesondere wenn die Cues sehr stark sind (Süssigkeiten, Herzhaftes, Alkohol, Nikotin).

1.3  Brain-Pull-Training

Die metabolische Erziehung ist vor allem langfristig außerordentlich wichtig, weil eine gesunde Ernährung ohne falsche Cues entscheidend dafür ist, wie stark sich ein gesunder »Brain-Pull« in einem Körper entwickelt. Damit ist gemeint, dass das Gehirn bei einem tatsächlich vorliegenden Energiedefizit im Körper seine ihm zugedachte natürliche Reaktion der Energieanforderung ausführen kann, ohne in dieser Situation von einem fehlgeleitenden »Body-Pull« (d. h. der Energieanforderung durch den Körper selbst) »ausgetrickst« zu werden. Dies hätte nämlich zur Folge, dass die Energie in den Fettzellen des Körpers gespeichert wird anstatt vom Gehirn direkt verbraucht werden zu können – und das Gehirn würde weitere Energie anfordern, weil es von der »Körperenergie« nichts »abbekommen« hat. Das Ergebnis: Gewichtszunahme.

WICHTIG❗️ Wird der »Brain-Pull« über lange Zeit hinweg durch falsche Cues stetig weiter geschwächt, führen diese dauernden »Energieabzweigungen« durch den zu starken »Body-Pull« unweigerlich zu Übergewicht.


2   Weitere Informationen

📖  »Das egoistische Gehirn« (A. Peters, 2011)

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