đŸŒŸ Allergien

đŸŒŸ Allergien


1   Allergien – ein »Erfolgsmodell«

â–Č Allergien – wer hat heutzutage keine?

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts waren Allergien eine eher seltene Erscheinung, und vor 1906 gab es noch nicht einmal den Begriff Allergie. Auch die Zahl der Substanzen, die als Allergene bekannt waren, war ĂŒberschaubar.

Heute hat die Verbreitung von Allergien epidemische Ausmaße angenommen, interessanterweise vor allem in den IndustrielĂ€ndern. Kaum jemand der jĂŒngeren Generationen, der so gar keine Beschwerden hat – und meistens sind die Betroffenen gegen viele Substanzen gleichzeitig allergisch.

Doch wie konnte es zu einem derart massiven Anstieg allergisch reagierender Menschen kommen? Dies wird verstÀndlich, wenn man sich zuerst einmal anschaut, welche Prozesse im Körper bei einer allergischen Reaktion grundsÀtzlich ablaufen.


2   Funktionen des Immunsystems

Gesteuert wird eine allergische Reaktion durch das Immunsystem. Es funktioniert als gezielte Abwehr gegen körperfremde Substanzen aller Art, die in unseren Körper gelangen (Bakterien, Viren, fremde Eiweiße etc.).

2.1  Angeborene Immunantwort

Einerseits reagiert es mit einem angeborenen Mechanismus erregerunspezifisch, um grundlegende Abwehrprozesse ablaufen zu lassen, z. B. EntzĂŒndungen (innates Immunsystem, angeborene Immunantwort).

2.2  Erworbene Immunantwort

â–Č Bei Allergien scheint das Immunsystem verrĂŒckt zu spielen – aber warum?

Mit einem zweiten Mechanismus reagiert das System erregerabhĂ€ngig. Dieser Mechanismus passt sich verĂ€nderten Bedingungen an und ist somit trainierbar (adptives Immunsystem, erworbene Immunantwort). Deshalb ist es möglich, dass das Immunsystem – wenn bestimmte gesundheitliche Voraussetzungen fehlen – auf bestimmte körperfremde Stoffe (oft sind es Eiweiße) unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig stark reagiert. Diese Â»ĂŒberschießenden« Reaktionen nehmen Patienten dann als die typischen Allergiessymptome wahr. In solchen Situationen wehrt sich das Immunsystem gegen vermeintlich bedrohliche Substanzen, die real aber gar keine Bedrohung darstellen. Es scheint, als sei es irritiert und könne Freund und Feind nicht mehr unterscheiden. Aber was lĂ€sst das Immunsystem derart »unlogisch« reagieren?


3   ErklÀrungsversuche

3.1  Ortsbestimmung

Da man annehmen darf, dass nicht alle Betroffenen aufgrund eines einzigen Faktors gemeinschaftlich und ganz plötzlich gegen alles Mögliche allergisch geworden sind, kann man die Lösung in den Antworten auf folgende Frage suchen:

FRAGE ❓ Welche verĂ€nderten Ă€ußeren UmstĂ€nde haben in den letzten Generationen in den von Allergien stark betroffenen LĂ€ndern das Immunsystem der dort lebenden Menschen beeinflusst?

â–Č Urbanes »westliches« Leben heute. Schöne, neue Welt 


Die »betroffenen LĂ€nder« sind vor allem die IndustrielĂ€nder. Dort ist die Zahl der Allergiker besonders hoch. In SchwellenlĂ€ndern nimmt sie mit dem Grad der Verbreitung eines »westlichen Lebensstils« zu (eine derartige Situation entstand z. B. in Ostdeutschland in der Zeit nach der Wiedervereinigung (vgl. hierzu dt. Ärzteblatt, 1998, 95 (21) ). In vielen EntwicklungslĂ€ndern sind die Allergieraten dagegen vergleichsweise gering.

3.2  Ursachenforschung

Welche Ursachen nun tatsĂ€chlich fĂŒr die Entstehung von Allergien verantwortlich sind, dazu forschen Wissenschaftler seit Jahrzehnten ganz intensiv. Und Studie um Studie prĂ€sentieren sie immer neue Faktoren/ und Auslöser. Hier eine Auswahl:
âšĄïž  genetische Faktoren, Allergien der Mutter
âšĄïž  Schwangerschaftsverlauf der Mutter
âšĄïž  zu kurze Stillzeiten, ZufĂŒtttern industriell hergestellter Fremdmilchprodukte
âšĄïž  zu frĂŒhe und vermehrte Gaben von Antibiotika
âšĄïž  zu frĂŒhe (und) Mehrfachimpfungen
âšĄïž  stark verarbeitete, denaturierte ErnĂ€hrung mit vielen Zusatzstoffen
âšĄïž Â ĂŒbermĂ€ĂŸiger Verzehr bestimmter Fettsorten
âšĄïž  Vitaminmangel (v. a. Vitamin D)
âšĄïž  chemische Arzneimittel
âšĄïž  zu hygienische Wohnumgebung, fehlender Mikroben-Kontakt
âšĄïž  fehlender Parasitenbefall
âšĄïž Â ĂŒbermĂ€ĂŸige WĂ€rmedĂ€mmung in Wohnungen
âšĄïž  Umweltgifte und FeinstĂ€ube (Verkehr, Landwirtschaft, Industrie)
âšĄïž  Schadstoffe in der Wohnumgebung
âšĄïž  Schadstoffe in der Arbeitsumgebung
âšĄïž  globaliserte Warenwirtschaft (Kontakt zu neuen Allergenen)
âšĄïž  globalisierter Nahrungsmittelmarkt (Kontakt zu neuen Allergenen)
âšĄïž  eingeschleppte Pflanzenarten (Kontakt zu neuen Allergenen)
âšĄïž  durch Schadstoffe verĂ€nderte, aggressive Pollen
âšĄïž  Kontakt zu einer Vielzahl von Haustierarten
âšĄïž  zu wenig Kontakt von Kindern mit Heu und Tieren
âšĄïž  Stress

All diese Faktoren mögen im Einzelfall jeweils ein Teil der Wahrheit sein, aber sie sind erfahrungsgemĂ€ĂŸ nicht alle bei jedem Patienten gĂŒltig. Letztendlich fĂŒhrt die Betrachtung solcher Einzelfaktoren also nicht dazu, die Entstehung von Allergien grundsĂ€tzlich und in GĂ€nze zu verstehen, weil sie die Antwort nicht auf allgemeiner Ebene suchen. Ich möchte deshalb an dieser Stelle eine komplexere Betrachtung anregen.


4   Das große Ganze

â–Č Das essen viele Menschen – jahrein, jahraus 


Statt anzunehmen, dass bestimmte externe Einzelfaktoren generell fĂŒr Allergien aller Art ursĂ€chlich verantwortlich sind, halte ich es fĂŒr zielfĂŒhrender, fĂŒr solch epidemische VerĂ€nderungen ganzer Gesellschaften einen sehr langen VerĂ€nderungsprozess im komplexen Wirkgeschehen unserer Umwelt und – vor allem! – dessen Auswirkungen auf den menschlichen Organismus zu betrachten.

â–Č Daraus trinken viele Menschen – jahrein, jahraus 


Machen Sie sich hierzu einmal bewusst, wodurch und wie sehr sich unsere Lebenswelt in den letzten einhundert Jahren insgesamt verĂ€ndert hat. Sie werden feststellen, dass bei unserer »modernen, westlichen« Lebensweise oft ganz viele der vermuteten Einflussfaktoren (und noch viele weitere!) gemeinsam und ĂŒber einen lebenslangen Zeitraum auf unseren Organismus einwirken. Das entstehende Szenario kann man insgesamt wie folgt beschreiben:

🆘  Wir leben in einer zunehmend naturentfremdeten Lebensweise, bei der eine in der Summe unĂŒberschaubare Anzahl von körperfremden Stoffen und Giften auf die Schnittstellen zwischen unserem Körper und unserer Umwelt treffen.

Und nun halten Sie sich einmal vor Augen, welches diese Schnittstellen sind, an denen fremde Substanzen in unseren Körper gelangen: Es sind dies die OberflÀchen der Haut und der SchleimhÀute.


5   Schnittstellen zwischen Körper und Umwelt

5.1  Die Haut

Obwohl sich einige allergische Reaktionen auf der Haut zeigen, z. B. nach einem Insektenstich oder dem Kontakt mit Metallen (beispielsweise bei einer Nickelallergie), spielt die Haut fĂŒr das VerstĂ€ndnis der Entstehung von Allergien nur eine untergeordnete Rolle. Es reicht, wenn man sie lediglich als einen der »Austragungsorte« fĂŒr allergische Reaktionen versteht.

5.2  Die SchleimhÀute

â–Č Über Haut und SchleimhĂ€ute gelangen Fremdstoffe in den menschlichen Körper.

Eine weitaus grĂ¶ĂŸere Zahl allergischer Reaktionen lĂ€uft an den SchleimhĂ€uten von Augen, Nase, Mund und Bronchien ab (z. B. Reaktionen auf Tierhaare, Pollen oder Hausstaub). Aber auch sie sind letzendlich nur Orte von ReaktionsablĂ€ufen, die Entstehung einer Allergiebereitschaft erklĂ€ren auch die VorgĂ€nge an diesen SchleimhĂ€uten nicht.

HierfĂŒr sind vielmehr bestimmte Prozesse an einem anderen Schleimhautabschnitt verantwortlich, nĂ€mlich der Darmschleimhaut. Dies ist auch nur logisch, denn allergische Reaktionen sind ja (siehe Abschnitt 2) Reaktionen des Immunsystems – und es ist wissenschaftlich gesichert, dass ca. 80% der ImmunvorgĂ€nge an und in der Darmschleimhaut ablaufen. Vereinfacht lĂ€sst sich sagen: »Das Immunsystem befindet sich im Darm«. Daraus folgt:

MERKE 💡 UrsĂ€chlich fĂŒr das Entstehen einer Bereitschaft zur Allergie sind immer vorausgegangene Immunprozesse an/in der Darmschleimhaut. Vereinfacht kann mann sagen: Allergien entstehen im Darm – auch wenn Sie an anderer Stelle ausgelöst oder sichtbar werden!


6   Entstehung von Allergiebereitschaft

â–Č Die Bereitschaft zur allergischen Reaktion wird in Teilen bereits vor der Geburt festgelegt.

Eine Allergiebereitschaft basiert immer auf einer »unphysiologischen«, d. h. fĂŒr die Ausbildung eines gesunden Immunsystems ungĂŒnstig zusammengesetzten Mikrobiota.

Die ersten Weichen dafĂŒr werden schon vor der Geburt des Kindes durch die werdende Mutter gestellt. Ihre eigene Gesundheit, der Verlauf der Schwangerschaft und der Geburt, sowie die ErnĂ€hrungslage von Mutter und Kind wĂ€hrend dieser Zeit sind frĂŒhe Entscheidungsfaktoren fĂŒr die spĂ€tere Zusammensetzung der kindlichen Mikrobiota (vgl. Schmidt/Schnitzer, Allergie und Mikrobiota, 2017).

In der nachfolgenden Phase der Stillzeit, bis ca. zum Ende des zweiten Lebensjahres, findet dann die Besiedelung der Darmschleimhaut mit der Mikrobiota statt. Dies ist die prĂ€gende Phase fĂŒr das werdende Immunsystem, die ĂŒber die Chancen zur Entwicklung einer gesunden Immunantwort entscheidet. »Gesund« in diesem Sinne ist eine Besiedelung des Darms mit einer ausgewogenen und vielfĂ€ltigen Mikrobenmischung. Wesentliche EinflĂŒsse fĂŒr das Erreichen dieses Ziels sind die Art und Zusammensetzung der Nahrung des Kindes und die Art und die HĂ€ufigkeit der Konfrontation mit Fremdstoffen in dieser frĂŒhen Lebenszeit (siehe hierzu auch den folgenden Abschnitt).

MERKE 💡 Der Zeitraum zwischen Schwangerschaft und dem Ende der immunprĂ€genden Phase bestimmt, mit welcher Immunantwort der menschliche Körper auf Fremdstoffe reagiert.


7   PrĂ€vention fĂŒr eine »gesunde« Mikrobiota

Die Entwicklung einer »gesunden« Mikrobiota ist zwar immer ein individueller Prozess. Aber die Analyse vieler FĂ€lle aus der Ă€rztlichen Praxis hat gezeigt, dass einige Bedingungen ausschlaggebend dafĂŒr sind, dass es dem kindlichen Körper gelingen kann, eine artenreiche und gĂŒnstige Besiedlung mit einer Mikrobiota aufzubauen und somit die Wahrscheinlichkeit einer Allergiebereitschaft zu senken (vgl. Schmidt/Schnitzer, Allergie und Mikrobiota, 2017). Hierzu gehören v. a. :
✅  natĂŒrliche Geburt (keine Kaiserschnitt-Geburt)
✅  möglichst lange Dauer der Stillzeit (bis das Kind selbst Ablehnung zeigt)
✅  fremdmilch- und weizen- bzw. glutenfreie Zusammensetzung der Folgenahrung
✅  möglichst wenige und spĂ€te Konfrontation mit (nicht kombinierten) Impfstoffen
✅  möglichst keine Konfrontation mit Antibiotika

Diese Erkenntnisse sind deshalb auch entscheidende prĂ€ventive Maßnahmen innerhalb einer Mitochondrientherapie. Weitere AnsĂ€tze finden Sie ▾ weiter unten im Abschnitt 10 (»TherapieansĂ€tze der mitochondrialen Medizin«).

🆘  Wird der SĂ€ugling/das Kleinkind zu frĂŒh mit zu vielen Fremdstoffen konfrontiert, gelangen diese auf eine unvollstĂ€ndig besiedelte Darmschleimhaut, und treffen damit auf ein unfertig ausgebildetes Immunsystem. Die Stoffe können daher noch nicht korrekt verstoffwechselt werden, und das fehlende Immunsystem kann darauf auch noch nicht korrekt reagieren.


8   Der »Leaky Gut« und die Folgen

In der Folge strömen körperfremde Eiweiße/Fremdstoffe in die tieferen Schichten der Darmschleimhaut und werden dadurch zum »Allergen«. Der Stoffwechsel reagiert darauf mit einer Kaskade von entzĂŒndlichen Regulationsprozessen. Schwelen diese EntzĂŒndungsprozesse nun ĂŒber lĂ€ngere Zeit (»silent inflammation«), wird die OberflĂ€che der Darmschleimhaut dadurch nachhaltig geschĂ€digt, was zu weiteren Dysbalancen in der Mikrobiota fĂŒhrt. Schließlich wird die Darmschleimhaut durchlĂ€ssig, und die körperfremden Substanzen gelangen in den Blutkreislauf. Es entsteht das sogenannte leaky gut-Syndrom, der »löchrige Darm«.

Durch das Eindringen der Fremdstoffe in den Blutkreislauf wird das EntzĂŒndungsgeschehen zum körperweiten Problem im Sinne einer Mitochondriopathie. Der Stoffwechsel kann nun derart schwerwiegend entgleisen, dass nicht nur Allergien, sondern auch viele andere chronische Erkrankungen (u. a. Autoimmun(!)-Erkrankungen) entstehen, von denen man heute weiß, dass sie Folgen von Mitochondriopathien sind.

🆘  Zudem besteht im menschlichen Körper die sogenannte Darm-Hirn-Achse. Das bedeutet, dass die Immunzellen des Darms direkt mit den Gliazellen des Gehirns in Verbindung stehen (diese sind u. a. fĂŒr die Weiterleitung von Informationen verantwortlich). Dadurch ist es grundsĂ€tzlich möglich, dass Allergien auch das Gehirn betreffen können. Dies erklĂ€rt auch die Tatsache, dass bestimmte Nahrungsmittelallergien (u. a.) zu neurologischen Symptomen und Defekten fĂŒhren können (vgl. Runow, Wenn Gifte auf die Nerven gehen, 2008).


9   Traditionelle TherapieansÀtze

9.1  Antihistaminika

Bei einer allergischen Reaktion wird im Körper der Stoff Histamin ausgeschĂŒttet. Medikamente, die eine solche Reaktion verhindern, werden daher Antihistaminika genannt. Diese meistens synthetisch hergestellten PrĂ€parate werden hĂ€ufig gegen leichte bis mittelstarke allergische Reaktionen eingesetzt, einige (z. B. Kortison-PrĂ€parate) helfen aber auch gegen stĂ€rkere Beschwerden. Antihistaminika verhindern die körperlichen Symptome einer allergischen Reaktion, wirken jedoch nicht ursĂ€chlich gegen die Allergiebereitschaft oder gegen deren eigentliche Ursachen.

9.2  Die Spezifische Immun-Therapie (SIT)

â–Č Die Werkzeuge der konventionellen Allergie-Therapie: Synthetische Antihistaminika und SIT.

FĂŒr Menschen mit stĂ€rkeren oder dauerhaften allergischen Reaktionen ist in der traditionellen Medizin seit Jahrzehnten die Spezifische Immun-Therapie (SIT) (auch Allergie-Impfung oder Hyposensibilisierung) das Mittel der Wahl. Bei dieser Therapie wird das Immunsystem des Patienten ĂŒber lĂ€ngere Zeit mit gesteigerten Dosen des Beschwerde verursachenden Allergens stimuliert, und man hofft dann, dass sich der Körper in dieser Zeit »daran gewöhnt« bzw. seine ĂŒberschießende Reaktion gegen diese Substanz einstellt.

Die SIT wird von der traditionellen Medizin als das »einzig kausal wirksame Verfahren« gegen Typ-I-Allergien (»Sofort-Typ«) beschrieben. Das ist insofern richtig, dass sie – anders als die antiallergischen Medikamente – nicht nur rein chemisch wirkt. Aber auch wenn viele FachĂ€rzte sich sehr positiv zu dieser Therapie Ă€ußern (sie haben ja in der Regel auch keine Alternative anzubieten), möchte ich Sie ermuntern, die SIT nicht als die einzig wirksame Therapieform zu verstehen – und schon gar nicht als eine, die Sie ursĂ€chlich, vollstĂ€ndig und dauerhaft von ihren Allergie-Leiden befreit. Denn die Allergie-Impfung setzt nicht an der Wurzel des Problems, der zu Grunde liegenden Mitochondriopathie, an. Ihr Wirkmechanismus beseitigt nicht die mitochondriale Fehlfunktion, die die erhöhte Allergiebereitschaft verursacht. Es »trainiert« lediglich das Immunsystem, sich mit dem auslösenden Stoff neu auseinanderzusetzen.

Die Erfahrungen mit der SIT lassen sich wie folgt zusammenfassen:
⛔  Sie wirkt generell nur bei Typ-I-Allergien (»Sofort-Typ«).
⛔  Bei ca. 10%–30% aller Patienten wirkt sie nicht.
⛔  Sie dĂ€mpft Beschwerden bis zu einem gewissen Grad, aber sie beseitigt sie nicht.
⛔  Viele Patienten benötigen daher trotzdem noch zusĂ€tzliche Medikamente.
⛔  Bei einer Therapiedauer von bis zu drei Jahren betrĂ€gt die Wirkdauer oft »nur« sieben (bis max. 15) Jahre.
⛔  Sehr gut wirkt sie nur bei sehr spezifischen und einzeln auftretenden Allergien, z. B. gegen Insektengift (Erfolgsquote >75%).
⛔  Bei multiplen Allergien (und dies ist bei den zu Grunde liegenden Mitochondriopathien hĂ€ufig der Fall) ist die Erfolgsaussicht deutlich geringer.
⛔  Je spĂ€ter im Leben die Therapie begonnen wird, desto geringer sind die Erfolgschancen.


10   TherapieansÀtze der mitochondrialen Medizin

10.1  PrÀvention (in der immunprÀgenden Phase)

Durch die bisherigen AusfĂŒhrungen sollte deutlich geworden sein, dass eine Therapie, die erfolgreich gegen eine erhöhte Allergiebereitschaft sein soll, vor allem prĂ€ventiv geschehen muss. Therapeutische Maßnahmen, die in der immunprĂ€genden Phase unterbleiben, fĂŒhren zu Stoffwechsel-Schieflagen, die spĂ€ter nur sehr mĂŒhselig und meistens auch nicht vollstĂ€ndig wieder rĂŒckgĂ€ngig zu machen sind. Leitideen in dieser Phase sind:
✅  möglichst langes Stillen!
✅  nach der Stillzeit keine Gabe von Fremdmilchen/Formulanahrung!
✅  möglichst keine Gaben von Antibiotika und Kortison in den frĂŒhen Lebensjahren!
✅  nur wesentlichste Impfungen, möglichst keine (zu) frĂŒhen Mehrfachimpfungen!
✅  kein Baby-Baden in gechlortem Wasser!

10.2  Förderung der Darmgesundheit

Die Behandlung bereits Erkrankter setzt dort an, wo die allergischen Reaktionen ihren Ursprung haben: im Darm. Im Zentrum der Therapie stehen dann Maßnahmen, die eine gesunde Darmschleimhaut und eine intakte Mikrobiota fördern, und dadurch langfristig eine möglichst normale Reaktion des Immunsystems ermöglichen. Folgende Therapiemaßnahmen kommen im Einzelnen in Betracht:
✅  Vermeiden histaminhaltiger Nahrungsmittel
✅  keine Einnahme von MagensĂ€ure-Blockern (PPI)
✅  ErnĂ€hrung mit enzymreicher, frischer Kost → ermöglicht vollstĂ€ndige Verdauung
✅  Gaben von pflanzlichen Enzymen → senken AllergenitĂ€t von Nahrungsmitteln
✅  Vermeiden von weizen- und sojahaltigen Lebensmitteln
✅  AbklĂ€ren einer Zöliakie!
✅  Gabe von (gepuffertem, sĂ€urefreiem) Vitamin C → senkt erhöhte Histaminspiegel!
✅  Analyse und ggf. Gabe von Vitamin D3
✅  Analyse und ggf. Gabe von Vitamin E → gegen EntzĂŒndungen
✅  Stressreduktion → reduziert oxidativen Stress und EntzĂŒndungsbereitschaft
✅  bei echter Nahrungsmittel-Allergie: Weglassen des auslösenden Stoffes! (Allergen-Karenz); dabei auch auf Kreuzallergien achten!
✅  Analyse der Zusammensetzung der Darm-Mikrobiota, ggf. Gabe von PrĂ€- und Probiotika (oft fehlen Laktobazillen)
✅  Analyse der Darm-Mikrobiota auf erhöhte Pilzbesiedelung (z. B. durch Hefepilz Candida Albicans)
✅  Und nicht zuletzt können alle Punkte aus der obigen Liste möglicher Einflussfaktoren (Abschnitt 3.2) als Ideengeber fĂŒr individuelle Therapiemaßnahmen in Frage kommen (z. B. Schwermetallvergiftungen!).


11   Weitere Informationen

📖  »Allergie und Mikrobiota« (Schmidt/Schnitzer, 2017)
🔗  »Gluten kann die Entstehung von Allergien fördern« (Zentrum der Gesundheit)*
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