⚗️ Oxidativer Stress

⚗️ Oxidativer Stress


1   Oxidation im Übermaß

1.1  Stickstoffmonoxid und seine Folgen

 Die chemische Formel von Stickstoffmonoxid.

Der chemische Vorgang der Oxidation ist ein völlig normaler Prozess im menschlichen Zellstoffwechsel. Solange der Stoffwechsel in Balance ist, werden die dabei entstehenden Reaktionsprodukte neutralisiert und sind unschädlich. Wenn aber durch genetisch bedingte Veränderungen oder extreme Ereignisse eine erhöhte Anzahl schädlicher Reaktionsprodukte (Oxidantien, als freie Radikale) gebildet werden, entsteht für die Zelle sogenannter oxidativer Stress, da sie mit einer unnatürlich hohen Belastung fertig werden muss. Besonders gefährlich ist eine übermäßige Bildung von Stickstoffmonoxid (•NO)-Radikalen. Hier spricht man dann von nitrosativem Stress oder Nitrostress.*
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🆘  Je nach Ausmaß der Belastung bedeutet oxidativer/nitrosativer Stress für die jeweilige Körperzelle, dass sie ihre eigentlichen Funktionen nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr ausführen kann.

Weil freie Radikale überall gebildet werden können, wo Zellen sind, kann auch nitrosativer Stress in allen Organen und Systemen im Körper entstehen. Je nachdem, welche Art Zelle in welchem Organ betroffen ist, und welche Funktion die betroffene Zelle dort hat, werden ganz unterschiedliche Fehlfunktionen und damit auch ganz unterschiedliche Krankheitssymptome ausgelöst. Und je nachdem, wie hoch die Dichte der Mitochondrien in den Zellen der betroffenen Organe sind, umso schwerwiegender sind die Folgen einer Funktionsblockade (z. B. im Gehirn und in der Netzhaut der Augen).

1.2  No – oh, no! Ein Teufelskreis!

 Die chemische Formel von Peroxinitrit.

Wird der nitrosative Stress nicht gestoppt, setzt er weitere, noch schädlichere Oxidationsprozesse in Gang. Das überschüssige •NO reagiert mit einem weiteren Oxidans, dem Hyperoxid (OO¯), und es entsteht das hochgiftige Peroxinitrit. Diese Situation ist für die Zelle extrem problematisch, denn Peroxinitrit produziert wiederum •NO und OO¯, und so kann das Oxidations-Spielchen erneut beginnen. Es entsteht der sogenannte NO/ONOO¯-Zyklus (sprich: »No, oh no!«).

🆘  Ist dieser Teufelskreis der Oxidation erst einmal etabliert, erhält er sich selbst aufrecht – und zwar völlig unabhängig davon, ob das auslösende Ereignis noch besteht oder längst vorbei ist!

Damit ist das Fundament für die Entstehung körperweiter Krankheitssymptome und verschiedenste, schwere chronische Erkrankungen gelegt.


2   Vererbungslehre

 Schäden der mitochondrialen DNA werden immer über die Mutter weiterggeben.

Länger anhaltender nitrosativer Stress schädigt das Erbgut der Mitochondrien, die mitochondriale DNA. Liegen bei einer Schwangerschaft solche Schäden bei der Mutter vor, werden diese an das werdende Kind vererbt. Diese sogenannte maternale Vererbung mitochondrialer DNA-Schädigungen erhöht beim Kind schon in der Schwangerschaft die Gefahr der Entstehung von primären Mitochondriopathien. Aber auch nach der Geburt begünstigt diese genetische Vorbelastung die Entstehung weiterer mitochondrialer Schäden (sekundäre Mitochondriopathien).

Über die Generationen betrachtet, führt die maternale Vererbung als Multiplikator dann naturgemäß zu einer größeren Häufigkeit der Fälle von Mitochondriopathien – und ist damit auch ein Teil der Erklärung dafür, dass die Anzahl dieser Art Erkrankungen in den letzten einhundert Jahren ständig zugenommen hat, teils sogar in epidemischem Ausmaß.


3   Ansätze für eine Therapie

Da nitrosativer Stress nur aufgrund bestimmter Vorbedingungen oder Ereignisse entsteht, muss er als Folge der eigentlichen Auslöser betrachtet werden. Die mitochondriale Medizin versucht daher, die individuell als Auslöser in Frage kommenden Ereignisse zu ermitteln und dann zu vermeiden. Da die Auslöser sehr vielfältig sein können, ist die Suche nicht immer einfach und erfordert eine umfangreiche, ganzheitliche Anamnese.

Sind die Auslöser bekannt und gemieden, kann man versuchen, den NO/ONOO¯-Teufelskreis durch geeignete Therapiemaßnahmen zu durchbrechen und damit den nitrosativen Stress zu unterbinden und Folgeschäden zu vermeiden. Haben sich bereits Folgeschäden manifestiert, müssen auch diese mit geeigneten Maßnahmen therapiert werden.


4   Weitere Informationen

📄  »Das Modell für NO/ONOO¯-oxidativ-entzündliche Krankheiten« (Prof. Dr. M. Pall)
📄  »Praxisrelevanz des nitrosativen Stresses« (Doz. Dr. sc. med. B. Kuklinski)
🔗
  »Nitrostress als Ursache für viele Erkrankungen« (Zentrum der Gesundheit)*
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