đŸ„› Nahrungsmittel-Intoleranzen

đŸ„› Nahrungsmittel-Intoleranzen


1   Was sind Nahrungsmittel-Intoleranzen?

â–Č Bei einer Intoleranz wehrt sich der Körper gegen das Eindringen von Bestandteilen von Nahrungsmitteln in verletzte Bereiche des Darms.

Nahrungsmittel-Intoleranzen Ă€ußern sich als körperliche Reaktion nach dem Verzehr von bestimmten Nahrungsmitteln bzw. deren Bestandteilen.

Die Symptome einer Intoleranz betreffen daher naturgemĂ€ĂŸ vor allem den Verdauungstrakt, insbesondere den Darm. Sie können aber auch an Haut und SchleimhĂ€uten auftreten, oder systemische Symptome hervorrufen (z. B Histamin-Intoleranz). Die Effekte können kurzfristig, d. h. gleich nach dem Verzehr, auftreten, aber durchaus auch verzögert. Und sie können von ganz unterschiedlicher Art und IntensitĂ€t sein. HĂ€ufig sind es BlĂ€hungen, Meteorismus, Schmerzen, KrĂ€mpfe, Verstopfung oder DurchfĂ€lle.

Die auslösenden Substanzen sind nicht die Nahrungsmittel als Ganzes, sondern einzelne Bestandteile, insbesondere Eiweiße (Proteine), Kohlenhydrate (Saccharide) oder biogene Amine. Die bekanntesten und am hĂ€ufigsten vorkommenden Intoleranzen sind (ohne Anspruch auf VollstĂ€ndigkeit):
🌀  Caseinintoleranz
🌀  Fructoseintoleranz
🌀  Glutenintoleranz
🌀  Histaminintoleranz
🌀  Laktoseintoleranz

WICHTIG 💡 Intoleranzen Ă€ußern sich zwar als UnvertrĂ€glichkeitsreaktionen nach dem Verzehr von Nahrungsmitteln, rufen aber keine echte allergische Reaktion des Immunsystems hervor. Man ist also nicht in der Gefahr, z. B. einen allergischen Schock zu erleiden.

Intoleranzen sind selbst keine Mitochondriopathien, wohl aber deren Folge. Es liegt ihnen immer eine ursÀchliche Erkrankung anderer Art zugrunde, die nach Erkenntnissen der Mitochondrien-Medizin in einer Mitochondriopathie zu finden ist.

Werden UnvertrĂ€glichkeiten nicht ursĂ€chlich therapiert, können im Zeitverlauf schleichende bzw. stille EntzĂŒndungen (»silent inflammations«) entstehen, die körperweite, schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.


2   Entstehung von Intoleranzen

2.1  Vererbte Intoleranzen

Intoleranzen können in spezifischen FÀllen genetisch bedingte Ursachen haben, z. B. bei der Autoimmun-Erkrankung Zöliakie (auch: glutensensitive Enteropathie), einer UnvertrÀglichkeit gegen Gluten bzw. einer Fraktion von Proteinen, dem Gliadin.

2.2  Erworbene Intoleranzen

In den meisten FĂ€llen werden Intoleranzen gegen Nahrungsmittel aber erst im Laufe des (frĂŒhen) Lebens erworben. Die entscheidende Phase ist hier die Zeit der Schwangerschaft, und die ersten zwei Lebensjahre. In dieser Zeit, der immunprĂ€genden Phase, baut der kindliche Körper seine Darmmikrobiota und damit einen wesentlichen Teil seines Immunsystems auf (▾ vgl. hierzu auch die Seite zu Allergien).

Die Muttermilch ist das naturgegebene Nahrungsmittel fĂŒr das Kind.

Entscheidenden Einfluss auf die Ausbildung von Intoleranzen hat die dem Kind zugefĂŒhrte Nahrung und deren Zusammensetzung. In der Schwangerschaft ist dies die Nahrung der Mutter, in der Stillzeit die Muttermilch. ErnĂ€hrt sich die Mutter wĂ€hrend der Schwangerschaft naturbelassen, schadstofffrei und allergenarm (d. h. vor allem glutenhaltige Getreide und Fremdmilchprodukte zu vermeiden), ist dies die beste Voraussetzung, dass das werdende Kind ein normal reagierendes Immunsystem entwickelt. Nach der Geburt ist die Muttermilch der entscheidende Faktor. Denn die Muttermilch ist die naturgegebene Form der SĂ€uglingsnahrung, und sie enthĂ€lt daher in natĂŒrlicher Form alle notwendigen Vitalstoffe, die das Kind braucht – vor allem auch die so wichtigen Antikörper (v. a. Immunglobulin A), welche die Voraussetzung fĂŒr die Ausbildung einer angemessenen Immunreaktion sind.

WICHTIG 💡 Deshalb ist es erstrebenswert, das Stillen als natĂŒrlichen und optimalen Weg der KindesernĂ€hrung ab der Geburt möglichst lange (mindestens sechs Monate, maximal zwei Jahre) aufrechtzuerhalten (vgl. Schmidt/Schnitzer, Allergie und Mikrobiota, 2017).

â–Č »SĂ€uglingsanfangsnahrung« mit Fremdeiweißen ist oft der Wegbereiter fĂŒr die Entwicklung von Nahrungsmittel-Intoleranzen.

Aus verschiedenen GrĂŒnden bekommen viele Kinder aber schon viel frĂŒher oder zusĂ€tzlich »SĂ€uglings-Anfangsnahrung« in der Form von industriell hergestellten Milchpulvern auf Basis von tierischen oder pflanzlichen Eiweißen. Diese Produkte basieren in der Regel auf verarbeiteter Kuhmilch, oder auf Soja (hypoallergene HA-Nahrung). Als »Typ 1« oder «Typ 2« können sie auch noch weitere Zusatzstoffe enthalten, z. B. StĂ€rke, Saccharose (Zucker), Maltodextrin (Zucker), Vitamine, Mineralstoffe und pflanzliches Öl.

Da sie nicht menschlichen Ursprungs sind, stellen die tierischen und pflanzlichen Eiweiße fĂŒr das Immunsystem des Kindes Fremd-Eiweiße dar!

🆘  Werden also Fremdmilchen schon in den ersten Lebensmonaten gegeben, bekommt der SĂ€ugling viel zu frĂŒh Erstkontakt mit Substanzen, die fĂŒr ihn noch Fremdstoffe darstellen, weil sein Immunsystem darauf noch nicht trainiert ist. Zudem ist die Darmschleimhaut des Kindes noch durchlĂ€ssig und noch nicht vollstĂ€ndig mit der Mikrobiota ausgestattet. Dadurch wirken die Eiweiße der Fremdmilchen stark allergen und gelangen »unkontrolliert« in den Blutkreislauf. Dort können sie dann eine Kaskade von Abwehrreaktionen auslösen, die sich dann in den Â»ĂŒblichen« darmassoziierten Folgeproblemen Ă€ußern (ĂŒble StuhlverĂ€nderungen, BlĂ€hungen, »Dreimonatskoliken«), und vom Kind durch gehĂ€uftes Schreien geĂ€ußert werden (vgl. Schmidt/Schnitzer, Allergie und Mikrobiota, 2017)

2.3  Das »leaky gut«-Syndrom

Wird dann im weiteren Lauf des Lebens eine stark fremdeiweißhaltige und denaturierte ErnĂ€hrung aufrecht erhalten (durch getreide- und fremdmilchlastige Kost und industriell verarbeitete Produkte), kann dies schließlich zu einer nachhaltigen SchĂ€digung der Darm-Mukosa (leaky-gut-Syndrom)* fĂŒhren. Alle (problematischen) Substanzen, die ĂŒber den Darm aufgenommen werden (Nahrungsbestandteile, Zusatzstoffe, Medikamente, Gifte usw.), können dann ungehindert in die tieferen Schichten der Darmschleimhaut eindringen. Das Immunsystem wird dadurch nachhaltig gestört, und es etablieren sich chronisch-entzĂŒndliche Prozesse, die sich ĂŒber den Blutkreislauf verbreiten und letztendlich als Mitochondriopathien an den verschiedensten Organen im ganzen Körper zeigen können (auch am Nervensystem / Gehirn!).
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3   Traditionelle Therapie

â–Č UnvertrĂ€glichkeiten bedeuten fĂŒr Betroffene oft unbefriedigende Diagnosen und zahl- und ziellose Behandlungsversuche.

Die oftmals diffusen Symptome einer Intoleranz fĂŒhren dazu, dass vielen Patienten nicht einmal die Anerkennung ihrer Leiden zuteil wird. Die Beschwerden werden nicht selten als psychosomatisch verurteilt, Betroffene als Hypochonder und Marketing-Opfer (z. B. fĂŒr laktosefreie Produkte) abgestempelt. So laufen viele Patienten verzweifelt von Arzt zu Arzt, letztlich ohne Aussicht auf echte Heilung.

Wenn körperliche Beschwerden als Intoleranzen (an)erkannt werden, fehlt aber trotzdem in vielen FĂ€llen ein entsprechendes konzeptionelles therapeutisches Handeln, das an den Ursachen ansetzt. Oft wird in solchen FĂ€llen die Verlegenheitsdiagnose »Reizdarm-Syndrom« gestellt, Auf dieser »dĂŒnnen« Grundlage werden dann Medikamente verordnet (z. B. AbfĂŒhrmittel, Antihistaminika, Antibiotika oder sogar Antidepressiva). Alle diese Medikamente aber können nicht heilen, wenn die zugrunde liegende Ursache fĂŒr die Intoleranzen unbehandelt bleibt, und im schlimmsten Fall können sich dadurch bestehende Beschwerden sogar verschlimmern (▾ siehe oben).


4   TherapieansÀtze der mitochondrialen Medizin

4.1  Umfassende Diagnosen

Obwohl die Mitochondrien-Medizin UnvertrÀglichkeiten richtigerweise als mittelbare, spÀte Folge mitochondrialer Störungen erkannt hat, ist es auch zu Beginn einer solchen Therapie angebracht, zunÀchst den akuten Folgebeschwerden zu begegnen, um dann in weiteren (durchaus parallel ablaufenden) Schritten die tiefer liegenden Ursachen anzupacken.

Am Beginn der mitochondrialen Therapie steht daher zunĂ€chst eine umfassende Diagnose der direkten Auslöser der UnvertrĂ€glichkeiten. Schließlich muss man »seine Feinde kennen, bevor man sie bekĂ€mpft«, oder – besser – ihnen »  kampflos aus dem Weg geht«. Folgende Ermittlungsideen und Diagnoseverfahren können hier zielfĂŒhrend sein:
⚗  Ermittlung Fructose-Malabsorption → Wasserstoff-Atemgasanalyse
⚗  Ermittlung Histaminintoleranz (HIT) → EliminationsdiĂ€t, Laboranalytik
⚗  Ermittlung Lactose-UnvertrĂ€glichkeit → Wasserstoff-Atemgasanalyse
⚗  Zustand der Mikrobiota, DarmdurchlĂ€ssigkeit → Stuhluntersuchung
⚗  Ermittlung ReaktionsstĂ€rke auf Nahrungsmittel → IgG4-Screening —

MITO MAN meint 🗣  Das Ergebnis eines »IgG4-Nahrungsmittel-Screenings« (ein Beispiel finden Sie hier) gibt Auskunft ĂŒber das Maß der Sensibilisierung bzw. Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Nahrungsmittelbestandteile. Als Instrument zur konkreten Bestimmung von UnvertrĂ€glichkeiten ist er unter Fachleuten aber sehr umstritten. Viele Ärzte und Therapeuten lehnen ihn als nicht zielfĂŒhrend ab, und meinen, die Ergebnisse verfĂŒhren verunsicherte Patienten zu unnötigen Geldausgaben und veranlasse sie, zu umfangreiche und nicht durchhaltbare AuslassdiĂ€ten durchzufĂŒhren.

Ich bin der Meinung, dass ein IgG4-Screening als Diagnose-Instrument durchaus seine Berechtigung hat. Denn es gibt ja eine RĂŒckmeldung ĂŒber die Heftigkeit, mit der das Immunsystem insgesamt auf verschiedenste Substanzen reagiert – und im Falle einer heftigen Vielfach-Reaktion zeigt es dadurch ziemlich deutlich an, dass der Darm bereits durchlĂ€ssig geworden ist!

Entscheidend ist es meines Erachtens, dass der behandelnde Therapeut seine Patienten sachlich darĂŒber aufklĂ€rt, was ein vielfach positiver Befund fĂŒr sie bedeutet, dass er mit ihnen gemeinsam die therapeutisch richtigen Schritte bespricht, und diese schließlich systematisch begleitet. Was nicht passieren darf, ist, dass solche Befunde zu Pauschalaussagen wie »Das dĂŒrfen Sie nun zukĂŒnftig alles nicht mehr essen« fĂŒhren. Hier gilt es, akzeptable, differenzierte Eliminations- und Rotationsempfehlungen zu machen ( ▾ siehe Folgeabschnitt), und parallel die wahrscheinlich gebotene Darmsanierung einzuleiten.

🆕  Eine relativ neue Alternative zu den Standard IgG4-Nahrungsmittel-Screens ist der AllergixŸ IgG-Antikörper-Test. Dieser schließt falsch positive Ergebnisse aus und vermeidet somit unnötige Karenzen – ist aber leider auch sehr teuer.

4.2  Nahrungsmittelkarenz

Sind die vermutlich ursĂ€chlichen Substanzen (hoffentlich korrekt und vollstĂ€ndig) ermittelt, ist der erste und wichtigste Therapieschritt ein logischer – und eigentlich auch recht simpel: die Nahrungsmittel, die offensichtlich und zu den grĂ¶ĂŸten Beschwerden fĂŒhren, werden mittels einer abgestuften Eliminations- und Rotationssystematik fĂŒr eine bestimmte Zeit schlicht und einfach 
 gemieden (Nahrungsmittelkarenz). Nur so hat die Darmschleimhaut die Chance, sich vom »Beschuss« mit den Auslösern zu erholen und zu regenerieren.

Aber wenn jemand behauptet, etwas sei schlicht und einfach und ganz simpel, dann ist das oft leider doch nicht so. TatsĂ€chlich ist die systematische und gezielte Karenz bestimmter Nahrungsmittel oft gar nicht so einfach, da 

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 selbst umfangreiche Diagnosen nicht immer eindeutig zur konkreten Identifikation der ĂŒbelsten Verursacher fĂŒhren (▾ siehe oben, Abschnitt 4.1).
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 wie schon erwĂ€hnt, oft eine grĂ¶ĂŸere Anzahl unvertrĂ€glicher Substanzen festgestellt werden (die man nur unter hohem systematischen Aufwand meiden kann). 
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 man oft nicht genau erkennen kann, wo der auslösende Stoff ĂŒberall enthalten ist.
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 insbesondere bei Kindern die Einhaltung und eine lĂŒckenlose Kontrolle der Karenz kaum möglich ist.

WICHTIG 💡 Dennoch ist Nahrungsmittelkarenz als erster Therapieschritt ein ganz entscheidender, verschafft er doch bei strikter Einhaltung nicht nur recht schnell Linderung, sondern gibt den Betroffenen auch recht eindeutig RĂŒckmeldung darĂŒber, ob sie mit der Meidung einer bestimmten Substanz einen »Treffer« gelandet haben.

4.3  Darmschleimhaut reparieren

4.3.1  Milieustudien

Die zweite SÀule der mitochondrialen Therapie bei UnvertrÀglichkeiten ist die Reparatur der FolgeschÀden, die das Eindringen der unvertrÀglichen Substanzen im Darm bereits verursacht hat, also die Heilung der durchlÀssig gewordenen Darmschleimhaut, des »leaky gut«.

Damit die Schleimhaut eine Chance hat, zu gesunden, muss eine ausgewogene Zusammensetzung der Mikrobiota vorliegen; ein eher saures Milieu, in dem die »guten« (gesunden) Bakterien die »bösen« (krank machenden) zahlenmĂ€ĂŸig in Schach halten, damit jene keine zu großen Mengen an Schadstoffen (z. B. Ammoniak (NH3) ) produzieren können. Wenn UnvertrĂ€glichkeiten vorliegen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass hier starke Dysbalancen vorliegen. Da diese sehr individuell sind, sollte auf jeden Fall per Stuhldiagnostik ein Profil der vorhandenen Mikrobiota erstellt werden (ein Beispiel fĂŒr einen Musterbefund finden Sie hier). Auf der konkreten Grundlage eines Befundes können dann die individuell notwendigen Maßnahmen ergriffen werden.

4.3.2  Probiotika

Diese Maßnahmen bestehen, vereinfacht gesagt, im Wesentlichen darin, eine ausgewogene Mischung von »freundlichen« und »schĂ€dlichen« (pathogenen) BakterienstĂ€mmen herzustellen, und so ein gesundes, Schleimhautmilieu zu erreichen (»Milieustabilisierung«). Hierzu werden PrĂ€parate mit »guten«, probiotisch wirkenden BakterienstĂ€mmen eingesetzt, da diese in einem kranken Schleimhautmilieu oft in nicht ausreichender Zahl vorhanden sind. Je nach Befund und Therapieziel können hier zum Einsatz kommen (Reihenfolge alphabetisch):
🩠  Bifidobakterien
🩠  Enterococcus faecalis
🩠  Escherichia Coli
🩠  Laktobazillen (MilchsĂ€urebakterien)

Die Auswahl der einzelnen BakterienstĂ€mme richtet sich dabei nach der gewĂŒnschten Wirkrichtung. Es gibt protektive (schleimhautschĂŒtzende), und immunmodulierende (Immuntoleranz regelnde) StĂ€mme. Oft werden zunĂ€chst protektiv wirkende Mischungen verabreicht, und nach Stabilisierung des Schleimhautmilieus eher immunmodulierend wirkende (vgl. Schmidt/Schnitzer, Allergie und Mikrobiota, 2018).

Ist das Schleimhautmilieu wieder halbwegs stabil, kann man versuchen, die Regeneration der Darmschleimhaut mit MikronĂ€hrstoffen gezielt zu unterstĂŒtzen. Unter anderem können die folgenden Substanzen Bestandteile eines solchen Aufbauprogramms sein (Reihenfolge alphabetisch):
💊  essentielle FettsĂ€uren (insb. Omega 3-FettsĂ€uren) – antientzĂŒndlich
💊  Vitamin C – Antioxidans, Schutz der Darmschleimhaut, multifunktional
💊  Curcumin – antientzĂŒndlich
💊  L-Glutamin – Immunabwehr, Barriereaufbau
💊  PantothensĂ€ure  (Vitamin B5) – Schutz des Schleimhaut-Immunsystems
💊  Zink – Antioxidans, multifunktional

WICHTIG 💡 Beim Wiederaufbau der Darmschleimhaut können insbesondere auch PrĂ€parate mit Lecithin sehr gut wirksam sein (vgl. z. B. hier*).
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4.3.3  PrÀbiotika
Alles Chico mit Chirorée?

Als PrĂ€biotika bezeichnet man bestimmte Substanzen in der Nahrung, die fĂŒr den Menschen zwar nicht verdaulich sind (»Ballaststoffe«), aber trotzdem einen essentiellen Teil des Stoffwechsels darstellen und an der Darmschleimhaut wichtige Funktionen erfĂŒllen, z. B. diese mit NĂ€hrstoffen zu versorgen und den Bakterien der Mikrobiota als NĂ€hrstoffgrundlage zu dienen. Zudem regulieren sie den pH-Wert im Darm und verhindern dadurch die Besiedlung mit ungĂŒnstigen, krank machenden Keimen. Anders ausgedrĂŒckt, sie schaffen damit die Voraussetzung fĂŒr ein gĂŒnstiges Schleimhautmilieu, und sind eine Art »Besiedlungshilfe« fĂŒr eine gesunde Mikrobiota. 

PrĂ€biotika werden deshalb heute auch als relevanter Therapiebaustein bei allen chronisch-entzĂŒndlichen Darmerkrankungen gesehen. Zum Einsatz kommen vor allem kurzkettige Kohlenhydrate, meistens sind es unterschiedliche Arten von Sacchariden (Zucker) wie z. B. (Reihenfolge alphabetisch):
đŸ§Ș  Fructane
đŸ§Ș  Inulin – Erhöhung der Anzahl Bifidobakterien (Dickdarm)
đŸ§Ș  Lactulose – Senkung pH-Wert, Senkung Ammoniakbelastung
đŸ§Ș  Oligofructose – Erhöhung der Anzahl Bifidobakterien
đŸ§Ș  Raffinose
đŸ§Ș  resistente StĂ€rke
đŸ§Ș  Zellulose

Um die Zufuhr von prÀbiotisch wirkenden Substanzen zu erhöhen, kann man einerseits auf den vermehrten Verzehr bestimmter Nahrungsmittel setzen. Die folgenden Lebensmittel enthalten vergleichsweise viel davon:
đŸ„Ź  ChicorĂ©e
đŸ„Ź  Hafer(flocken)
đŸ„Ź  HĂŒlsenfrĂŒchte
đŸ„Ź  Knoblauch
đŸ„Ź  Lauch
đŸ„Ź  Pastinaken
đŸ„Ź  Schwarzwurzel
đŸ„Ź  Spargel
đŸ„Ź  Topinambur (Achtung: oft nicht gut vertrĂ€glich!)
đŸ„Ź  Zwiebeln
Da aber selbst ein vermehrter Verzehr dieser Lebensmittel eher zu unsinnigen, belastenden DiĂ€ten fĂŒhrt, als zu einer Zufuhr von prĂ€biotischen Substanzen in therapeutisch benötigten Mengen, ist wĂ€hrend einer Aufbautherapie wahrscheinlich die Zufuhr ĂŒber NahrungsergĂ€nzungsmittel zielfĂŒhrender. Einige Quellen finden sie ▾ auf der Seite Mito-Links.

WICHTIG 💡 Die Stabilisierung des Mikrobiota-Milieus und der Wiederaufbau der Darmschleimhaut brauchen Ihre Zeit! Dies gilt besonders, wenn noch weitere Faktoren Einfluss auf die Erkrankung nehmen, die parallel ebenfalls abgestellt werden mĂŒssen. Patienten mĂŒssen daher recht geduldig sein und mindestens eine mehrmonatige Therapiephase hierfĂŒr einplanen. Die PrĂ€parate sollten in dieser Phase also eher lĂ€nger als zu kurz eingenommen werden, so dass sich eine stabile Lage ergibt und ein dauerhafter Erfolg gesichert ist.

4.4  Mitochondrien regenerieren

Wenn auch die vorangegangenen Schritte sicherlich allein schon durch die Vermeidung neuer Schadstoffbelastungen zu einer Entlastung der Mitochondrien beitragen, kann erst in einem stabilen und gesunden Darmmilieu das eigentliche Ziel der Regeneration und Wieder-Vermehrung der Mitochondrien erreicht werden. 

FĂŒr diesen entscheidenden Teil der Therapie sollte, soweit dies möglich ist, die gesamte Palette der Therapie-SĂ€ulen der Mitochondrien-Medizin bedacht werden. Im Vordergrund stehen dabei (vgl. Kuklinski, Mitochondrien, 2015):
🌀  AntientzĂŒndliche Maßnahmen
🌀  ErnĂ€hrungsumstellung
🌀  Physikalische Therapie (Bewegungstherapie)
🌀  Reduktion von toxischen EinflĂŒssen
🌀  Reduktion von oxidativem/nitrosativem Stress
🌀  Verbesserung der NachtschlafqualitĂ€t
🌀  Zufuhr von Antioxidantien und MikronĂ€hrstoffen

🆘  Ein oft ĂŒbersehener Faktor bei Nahrungsmittel-UnvertrĂ€glichkeiten ist dauerhafter negativer Stress. Auch hieraus kann eine unzureichende Versorgung mit MikronĂ€hrstoffen resultieren, was langfristig schließlich zu einer Mitochondriopathie fĂŒhren kann.

4.5  Erfolgskontrolle

Nach einer ausreichend langen Phase des Schleimhaut-Wiederaufbaus ist es ratsam, die AusprĂ€gung der Reaktion auf die problematischen Nahrungsmittel in einem erneutem Antikörper-Test (▾ siehe Abschnitt 4.1) zu ĂŒberprĂŒfen. Bei einem positiven Therapieverlauf sollte die Immunreaktion dann deutlich geringer ausfallen.


5   Weitere Informationen

📖  »Allergie und Mikrobiota« (Schmidt/Schnitzer, 2017)
🔗  »Unterschiede [
] von Muttermilch und [
] SĂ€uglingsanfangsnahrung  « (BfR)
🔗  »Warum Stillen so wichtig ist und welche Alternativen sinnvoll sind« (Bonsum)
🔗  »SĂ€uglingsnahrung: Wenn es ohne Muttermilch gehen muss« (fairberaten)
🔗  »Schweizerische Interessengemeinschaft Histamin-Intoleranz (SIGHI)«
🎞  »Symptome der WeizensensitivitĂ€t« (Dr. Kirkamm)
🎞  »Milchallergie und MilchunvertrĂ€glichkeit« (Dr. Kirkamm)
🎞  »Darmbeschwerden durch Fruktoseintoleranz« (Dr. Kirkamm)
📄  »Nahrungsmittel-UnvertrĂ€glichkeiten« (Flyer der Fa. biovis)*
📄  »Laktose-UnvertrĂ€glichkeit: [
]« (ErnĂ€hrungsinformation der Fa. biovis)*
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