♨️ Atopische Dermatitis

♨️ Atopische Dermatitis


1   Zum Begriff »Neurodermitis«

Hierzu die wichtigste Erkenntnis zuerst:

MERKE 💡 Ursächlich für eine »Neurodermitis« ist nicht »die Psyche« …

… auch wenn die Silbe »Neuro« (Nerven) darin vorkommt, und dies immer wieder suggeriert wird (durch Weisheiten wie »Die Haut ist der Spiegel der Seele« u. ä.). Um solchen begrifflichen Misinterpretationen nicht weiter Vorschub zu leisten, verwende ich hier statt des populären Begriffs »Neurodermitis« den treffenderen Begriff atopische Dermatitis. Denn bei den Symptomen handelt es sich um Entzündungen an der Haut, die traditionell dem Formenkreises der Atopie zugerechnet werden.

 Hautstelle mit den typischen Anzeichen einer atopischen Dermatitis

Die von den Betroffenen spürbare Wechselwirkung zwischen dem Nervensystem und der Haut ist dabei aber sehr wohl vorhanden, sie ist nicht eingebildet. Sie bedeutet aber nicht, dass eine psychisch bedingte Erkrankung vorliegt. Vielmehr zeigt sie deutlich die systemische Verbindung dieser beiden Körperteile an und ist der äußerlich sichtbare Ausdruck einer hier vorliegenden neurogenen Entzündung.


2   Wie entsteht eine atopische Dermatitis?

Diese Entzündungsprozesse entstehen aber nicht ursächlich an der Haut. Sie sind vielmehr ein äußeres Anzeichen davon, dass Stoffwechselprozesse im Inneren des Körpers systematisch und körperweit aus dem Ruder gelaufen sind. Die Haut ist dabei lediglich das Organ, das diesen inneren Missstand »ausbaden« muss und an dem dieser offenbar wird. Der Körper versucht hierbei Stoffe auszuleiten, die er auf den üblichen Wegen nicht mehr ausscheiden kann.

Normalerweise laufen Ausscheidungs- und Entgiftungsprozesse im Körper über den Darm, die Leber, die Niere und das lymphatische System ab. Sind diese Stoffwechselwege aber unterbrochen, versucht der Körper die Giftstoffe über ein Notfallprogramm (mit der Haut als »Notausgang«) nach außen zu leiten. Und da die Haut für diese Funktion nicht geschaffen ist, lagern sich die giftigen Stoffe in der Unterhaut an und verursachen dort die für diese Erkrankung typischen Entzündungssymptome.

Zudem leiden Patienten bei atopischer Dermatitis oft auch an einer Hypohidrose (▸ siehe Abschnitt 4.4 weiter unten), welche die Entgiftung über den »Notausgang Haut« zusätzlich erschwert.

WICHTIG ❗️ Dieser Notfall-Entgiftungsweg ist die letzte Stufe einer Kaskade von Folgeproblemen einer Mitochondriopathie!

Die Mitochondriopathie ist aber nur mittelbare Ursache für die atopische Dermatitis, denn sie selbst hat wiederum ihre eigenen Ursachen. Dies sind von außen auf den Körper einwirkende Belastungen durch Schadstoffe bzw. Gifte der verschiedensten Art (▸ siehe hierzu das Menü Ursachen).

Das Auftreten einer atopischen Dermatitis weist darauf hin, dass aufgrund solcher Einwirkungen von außen ein erhöhter nitrosativer Stress entstanden ist, infolgedessen sich die Darmflora stark verändert hat, und die Darmschleimhaut massiv geschädigt worden ist.

WICHTIG ❗️ Im Mittelpunkt der mitochondrialen Therapie steht daher neben der Regeneration der Mitochondrien immer auch die Wiederherstellung eines gesunden Darms (▸ siehe Abschnitt 4 weiter unten).


3   Traditionelle Therapie

3.1  Leitlinie

Die traditionelle Therapie zur Behandlung der atopischen Dermatitits ist in einer »Leitlinie Neurodermitis […]« (Kurzfassung im JDDG) festgehalten (Stand 2019: verlängert gültig, aber in Überarbeitung, Neuveröffentlichung voraussichtlich 2020). Die Leitlinie empfiehlt »[…] zum einen die Reduktion und Vermeidung individueller Provokationsfaktoren und zum anderen eine angepasste symptomorientierte Basistherapie und antiinflammatorische Therapie«. Im Einzelnen basieren die Therapieideen auf einem (individualisiert anzupassenden) Vierstufen-Konzept, in dem eine Reihe medikamentöser und nichtmedikamentöser Therapieoptionen zur Auswahl stehen. Wesentlich sind hier folgende :

3.2  Basistherapie (äußerlich, Hautpflege)

Bei der Basistherapie stehen traditionell vor allem äußerliche Maßnahmen zur Pflege der trockenen Haut im Mittelpunkt des Konzeptes. Wenn man weiß, dass die Ursache der atopischen Dermatitis nicht in der Haut selbst begründet ist, versteht man aber recht schnell, dass diese Maßnahmen therapeutisch allesamt nur zweitrangig und nur unterstützend sein können. Sie ersetzen nicht eine weitergehende und ursächlich wirksame Therapie, denn sie sind allesamt nicht ursächlich wirksam (auch wenn die Hersteller vieler Cremes und Lotionen dies versprechen).

🆘  Aber sie sind natürlich als Basismaßnahme wichtig und oft auch unerlässlich, um die oft schwerwiegenden und unerträglichen Hautbeschwerden zu lindern und die weitere, meistens langwierige Therapiedauer durchzustehen.

3.3  Glukokortikosteroide (topische Therapie)

 Glukokortikosteroide: bei schweren Verläufen wichtig – für eine dauerhafte Basistherapie aber nicht das Mittel der Wahl.

Die äußerliche Anwendung synthetischer Glukokortikosteroide (allg.: »Kortison«) ist seit 50 Jahren das Mittel der Wahl bei mittelschweren Verlaufsformen der atopischen Dermatitis. Für den Patienten im Regelfall ein Segen, weil effektiv lindernd, ist es aber kein Mittel für eine dauerhafte Therapie.

Denn diese Wirkstoffe verhindern eine an sich »normale« Körperreaktion (die Entzündung) auf eine »Gefahrensituation« (siehe oben) in Form eines immunologischen Selbsterhaltungsprogramms. Die Glukokortikosteroide verhindern nun diese notwendige entzündliche Reaktion durch Unterdrückung der Immunreaktion. So kann das der Entzündung zugrunde liegende Problem niemals gelöst, sondern nur phasenweise gelindert werden.

WICHTIG ❗️ Glukokortikosteroide sind zur akuten Linderung starker Beschwerden ein wichtiger Baustein der kurzfristigen Therapie und kann schlimme Folgen verhindern. Wie gesundungsfeindlich Kortison aber als Mittel für eine langfristige Basistherapie ist, zeigen die allseits bekannten, systemweiten Nebenwirkungen.

3.4  Immunsuppressiva

Als weitere Option werden zur symptomatischen antientzündlichen Therapie Wirkstoffe aus der Gruppe der topischen Calcineurinhemmer (Pimecrolimus, Tacrolimus) eingesetzt. Diese wirken ähnlich wie die Glukokortikosteroide, sind dabei aber noch stärker immunsuppressiv und haben dennoch nicht deren typische Nebenwirkungen. Dafür haben sie andere, ebenfalls unerfreuliche Nebenwirkungen, die deutlich machen, wie stark die Wirkstoffe in den Stoffwechsel eingreifen (u. a. veränderte Sensibilität gegenüber Sonne, Veränderung der Verträglichkeit von Trinkalkohol). Nicht zuletzt gibt es auch Hinweise auf eine erhöhte Tumorneigung nach Einsatz dieser Medikamente. Abschließende Beurteilungen hierzu sind aber derzeit (2019) noch nicht möglich.

In die gleiche Richtung geht die Therapie mit dem Wirkstoff Ciclosporin, einem weiteren Immunsuppressivum. Im Gegensatz zu den topischen (äußerlich angewendeten) Wirkstoffen wird es systemisch (innerlich) verabreicht. Der Einsatz wird vor allem für schwere Verlaufsformen, und bei Erwachsenen empfohlen. In der Leitlinie heisst es zu diesem Wirkstoff: »Aufgrund des Spektrums unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist es nicht sinnvoll, eine Langzeitbehandlung mit Ciclosporin bei Neurodermitis durchzuführen.« Zudem empfiehlt die Leitlinie, während einer Therapie die Nierenfunktion engmaschig zu kontrollieren.

3.5  Zusammenfassung

Wie schon erwähnt, ist das gewünschte Wirkprinzip von Glukokortikosteroiden und Immunsuppressiva die Unterdrückung einer entzündlichen Reakion – und darin liegt aus Sicht der Mitochondrien-Medizin auch ihr Problem. Denn sie arbeiten gegen eine begründet ausgelöste Reaktion des Körpers. Sofern die Begründung, also die Ursache für die Entzündungsneigung bzw. -reaktion nicht abgestellt wird, bleibt die Behandlung rein symptomatisch und führt nicht zur Heilung. So bennent denn auch die Leitlinie die »fehlende Heilbarkeit« als eine der Eigenschaften der »Neurodermitis«.


4   Therapieansätze der mitochondrialen Medizin

4.1  Entgiftung unterstützen

 Schadstoffe am Arbeitsplatz, ungesunde Lebensweise … eine atopische Dermatitis kann viele Ursachen haben, die im Rahmen einer mitochondrialen Therapie bedacht werden müssen.

Wie oben erwähnt, entsteht eine atopische Dermatitis nach Erkenntnissen der Mitochondrien-Medizin als Folge erhöhten nitrosativen Stresses nach Belastungen mit Schadstoffen. Als »Schadstoff« werden hierbei alle Substanzen verstanden, die in ihrer vorliegenden Form dem Körper schaden können – entweder weil sie dort generell nicht hingehören, oder weil sie in einer Form vorliegen, die der Körper nicht verarbeiten kann (wie z. B. unverdaute Nahrungsbestandteile).

Die Ursachen für eine solche Belastung mit Schadstoffen können äußerst vielfältig sein, und sie sind immer individuell. Daher müssen sie möglichst umfassend und genau analysiert und diagnostiziert werden. Die nachfolgend genannten Faktoren sind häufig Quellen für Schadstoffbelastungen und sollten daher am Beginn einer Therapie als mögliche Ursachen abgeklärt werden:
☠️  Nahrungsmittelallergien und Unverträglichkeiten, v. a. gegen Gluten bzw. Gliadin

WICHTIG ❗️ Natürlich sollte ganz generell auf eine schadstoffarme Ernährung geachtet werden. Alle notwendigen Aspekte zu diesem Thema finden Sie auf der ▸ Seite zu Ernährung.

☠️  Belastung durch Zahnmetalle, Implantate, Piercings, Tattoos*
* Achtung! Das Linkziel enthält Werbung!
☠️  Belastungen durch Umweltgifte (Arbeitsplatz, Haushalt, Verkehr)
☠️  Belastungen durch Genussmittelgifte (Alkohol, Nikotin, Drogen)

 Auch Implantate können Entzündungen wie die einer atopischen Dermatitis aufrechterhalten.

Wird eine Schadstoffquelle als individuelle Ursache festgestellt, sollten Neubelastungen natürlich vermieden, und bereits im Körper befindliche Schadstoffe möglichst schonend (d. h. langsam!) aus dem Körper ausgeleitet werden. Je nach Grad der Belastung und dem Allgemeinzustand des Betroffenen kann das bedeuten, dass dieser Prozess einige Zeit in Anspruch nimmt. Für die Ausleitung von Giftstoffen steht eine ganze Palette verschiedener therapeutischer Verfahren und Maßnahmen* zur Verfügung (vgl. insb. auch K.-D. Runow, Wenn Gifte auf die Nerven gehen, 2008). Auch die Maßnahmen zur Regeneration der Mitochondrien (▸ siehe Folgeabschnitt 4.2) können hier einen Beitrag leisten.
* Achtung! Das Linkziel enthält Werbung!

🆘  Je nach Art und Grad der Belastung ist dieser Therapieschritt nicht ungefährlich. Deshalb gehört er auf jeden Fall in die Hände und unter die Aufsicht eines ausgebildeten, ganzheitlich arbeitenden Therapeuten!

Wie schon erwähnt, sollte eine Neubelastung der Mitochondrien durch eine erneute Schadstoffaufnahme möglichst vermieden werden. Dies kann für Betroffene unter Umständen bedeuten, offen für sehr weit reichende Veränderungen in ihrer individuellen Lebensführung zu sein, insbesondere wenn die Schadstoffe bedingt durch die berufliche Tätigkeit oder die häusliche Umgebung in den Körper gelangt sind.

4.2  Mitochondrien regenerieren

Neben der Reduktion der Schadstoffbelastung ist es aber auch wichtig, die bereits geschädigten Mitochondrien aktiv zu regenerieren, um die normalen Stoffwechselfunktionen wiederherzustellen und Entzündungen abklingen zu lassen. Hier können folgende Maßnahmen zum Ausgleich des Mikronährstoff-Haushaltes den Gesundungsprozess positiv beeinflussen:
✅  Gabe von α-Liponsäure → Antioxidans, Binden bzw. Ausleiten von Schwermetallen
✅  Gabe von Benfotiamin → Senkung Pyruvat
✅  Gabe von B-Vitaminen → Radikalfänger, Hautschutz
✅  Gabe von Coenzym Q10 (als Ubiquinol) → blockiert Entzündungs-Signalstoffe
✅  Gabe von Vitamin D → blockiert Entzündungs-Signalstoffe

4.3  Darm sanieren

 Ein gesunde Darmflora und eine gesunde Darmschleimhaut sind das Ziel der dritten Therapisäule bei atopischer Dermatitis.

Ziel der dritten Therapiesäule ist es, eine gesunde Darmflora wiederherzustellen und eine möglicherweise durchlässig gewordene Darmschleimhaut (leaky gut) wieder zu schließen. So kann die Ursache für die Entstehung von Entzündungsprozessen abgestellt werden, und die Entgiftungsprozesse können wieder ihren natürlichen Weg gehen, anstatt über die Haut abzulaufen.

WICHTIG ❗️ Insbesondere Patienten, die in der Vergangenheit viele Antibiotika oder andere Medikamente über längere Zeit eingenommen haben, sollten diesem Therapieschritt höchste Aufmerksamkeit widmen.

➡️  Zu dieser Therapiesäule möchte ich an dieser Stelle auf die Seite Darmsanierung verweisen. Dort wird die gesamte Maßnahmenpalette ausführlich beschrieben. Bei atopischer Dermatitis sind innerhalb dieser Therapie aber auch folgende Aspekte besonders wichtig:
🦠  Abklären eines erhöhten Pilzbefalls (z. B. durch Hefepilze)
🦠  Abklären eines Parasitenbefalls (▸ siehe hierzu auch den entsprechenden Link in Abschnitt 5 weiter unten!)

4.4. Hypohidrose bedenken

Patienten mit atopischer Dermatitis leiden häufig auch unter einer verminderten Schweißsekretion. Ausgelöst durch verstärkte Histaminfreisetzung, zieht sich die glatte Muskulatur zusammen und die Hautporen werden eng gestellt (vgl. Schmidt/Schnitzer, Allergie und Mikrobiota, 2017). Äußerliche Anwendungen auf der Haut (Cremes, Salben etc.) verhindern in dieser Situation die Schweißausleitung dann u. U. noch zusätzlich. So verbleiben die Substanzen, die normalerweise mit dem Schweiß über die Hautoberfläche ausgeschieden werden (müssen), in den tieferen Hautschichten und verstärken den Juckreiz und das Entzündungsgeschehen. Als Alternative für äußere Anwendungen werden hier Mischungen von Oliven- oder Calendulaöl und Wasser zu gleichen Teilen empfohlen (siehe ebd.).

4.5  Haut pflegen

Nach Erreichen eines guten Hautzustandes bzw. in Phasen der Beschwerdefreiheit sind – abgesehen von der normalen Hautpflege mit ausreichend feuchtigkeitsspendenden Substanzen im Rahmen der täglichen Hygiene – keine speziellen Maßnahmen zur Hautpflege nötig.

Folgende Therapieideen sind der Erfahrung des Autors nach für die Haut aber sehr angenehm und entspannend und helfen, den beschwerdefreien Hautzustand aufrechtzuerhalten.
✅  Basen-Bäder → Entsäuern, Hautpflege
✅  Auftragen von Arganöl → Hautpflege


5   Weitere Informationen

📖  »Allergie und Mikrobiota« (Schmidt/Schnitzer, 2017)
📖  »Der Darm denkt mit« (Runow, 2011)
📖  »Wenn Gifte auf die Nerven gehen« (Runow, 2008)
📄  »Parasiten im Intestinaltrakt« (Fachinformation der Fa. biovis)*
            * Achtung! Das verlinkte Dokument enthält Eigenwerbung der Fa. biovis!